Osnabrücker Mahnmal für die psychisch-kranken Opfer des Nationalsozialismus

Anfang 1999 entstand in der Selbsthilfegruppe der Psychiatrie-Erfahrenen die Idee zu einer Gedenktafel für die psychisch-kranken Opfer des Nationalsozialismus in Osnabrück. Aus einem Künstlerwettbewerb ging der Vorschlag des Osnabrücker Künstlers Werner Kavermann als Sieger hervor. Eine Expertenkommission wählte seine Skulptur aus, weil sie in eindrucksvoller und authentischer Weise das angstvolle und zur Vereinzelung drängende Erleben des psychisch kranken Menschen einfängt. Die Skulptur wurde am 27. Januar 2005 auf dem Gelände des AMEOS Klinikums Osnabrück feierlich enthüllt.

Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden über 100.000 Behinderte und Geisteskranke systematisch ermordet. Als Beginn der Euthanasie-Verbrechen gilt der Befehl Adolf Hitlers vom 1.September 1939 an Reichsleiter Philipp Bouhler.

"Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen unheilbaren Kranken bei kritischer Beurteilung ihres Gesundheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann."

Berlin 1.September 1939 gez. Adolf Hitler.

Die unter dem Tarnnamen T4, (namengebend war die Zentrale, eine Villa in der Berliner Tiergartenstraße 4) durchgeführten Verbrechen gehen auf die in den 20er Jahren entwickelte Idee einer "Rassenhygiene" zurück und steht im Zusammenhang mit der Nationalsozialistischen Ideologie "Vernichtung lebensunwerten Lebens". Auch aus der Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück wurden im April 1941 92 weibliche und 156 männliche Patienten zunächst nach Eichberg, später weiter nach Hadamar deportiert. Sie kehrten nie wieder zurück. Die T4-Verbrechen wurden zwar im August 1941 offiziell eingestellt, Euthanasie-Verbrechen wurden jedoch noch bis 1945 durchgeführt.