Mehr als 100 Fachleute und Sachverständige aus Medizin, Justiz, Politik und weiteren gesellschaftlichen Institutionen sind am 13. Februar der Einladung des AMEOS Klinikum für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Neustadt zum Runden Tisch gefolgt. Die jährlich stattfindende Fachveranstaltung stand diesmal im Zeichen der Themen Gewalt und Überbelegung.
Unter den Teilnehmenden befanden sich Landtagsabgeordnete des Landes Schleswig-Holstein, Vertreterinnen und Vertreter des Ministeriums für Justiz und Gesundheit sowie des Ministeriums für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung. Darüber hinaus nahmen Chefärztinnen und Chefärzte regionaler psychiatrischer Kliniken, Vertreterinnen und Vertreter der Staatsanwaltschaft, der Gerichte, der Bewährungshilfe sowie weiterer Justizbehörden und der Betroffenen-Selbstvertretung an dem fachübergreifenden Austausch teil.
Nach einem Grußwort des Ärztlichen Direktors, Dr. Daniel Ehmke, referierte Chefarzt Dr. Wilhelm Tophinke über den Zusammenhang zwischen Überbelegung und Gewalt im klinischen Alltag des AMEOS Klinikum für Forensischen Psychiatrie und Psychotherapie. „Steigende Belegungszahlen, herausfordernde räumliche Rahmenbedingungen und Personalmangel stellen unser Klinikum ebenso wie viele Einrichtungen bundesweit vor große Aufgaben. Zugleich gewinnen unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Sprachbarrieren im Behandlungs- und Sicherheitskontext zunehmend an Bedeutung“, betonte Dr. Wilhelm Tophinke.
Im Anschluss wurden praxisnahe Konzepte und Instrumente vorgestellt, die dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Eskalationen zu vermeiden. Psychologin Vivien Keuchel und Stationspflegeleitung Philipp Keuchel präsentierten das Prognoseinstrument „START“ (Short Term Assessment of Risk and Treatability), das der strukturierten Einschätzung akuter Gefährdungssituationen dient.
Carsten Jäger und Natascha Nunez stellten das international etablierte Pflegekonzept „Safewards“ vor, das darauf abzielt, Konflikte auf Station systematisch zu reduzieren und ein sicheres therapeutisches Umfeld zu schaffen. Das Konzept kommt seit vielen Jahren im AMEOS Klinikum für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Neustadt zum Einsatz.
Wie durch die Adherence-Therapie gemeinsame Therapieziele zwischen Patienten und Behandelnden erarbeitet und tragfähig umgesetzt werden können, erläuterten Lina Delfs und Mike Wohnrade.
Den Abschluss bildete der Beitrag des Polizeibeamten Uwe Bargull aus Eutin und der Psychologin Manon Bobsin zum Thema „Selbstschutz – praktisches Training“, in denen ein deeskalierender Trainingsansatz auf den Stationen vorgestellt sowie die Auswirkungen auf den Stationsalltag aufgezeigt wurden.
Beim anschließenden Imbiss nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen, Perspektiven auszutauschen und neue Impulse für die weitere Zusammenarbeit zu gewinnen. Der Runde Tisch unterstrich erneut die Bedeutung eines engen, interdisziplinären Dialogs, um Sicherheit, Behandlungserfolg und gesellschaftliche Verantwortung in der forensischen Psychiatrie zu vereinen.
