Einmal pro Woche, immer Freitag: So war der Einstieg von Stephanie Rütten in die Anästhesiepflege am AMEOS Klinikum Warendorf. Dieses Pflegeteam begleitet Patientinnen und Patienten vor, während und nach Operationen, und heute steht die 45-Jährige an seiner Spitze. Dazwischen liegt eine Karriere, die zeigt, wie aus einem kleinen Einstieg eine Leitungsaufgabe werden kann, wenn der richtige Moment kommt.
Ein Umweg über die Augenarztpraxis
Viele Jahre arbeitete Stephanie Rütten in der Anästhesie der Paracelsus Klinik in Osnabrück, bis sich mit zwei kleinen Kindern der Schichtdienst irgendwann nicht mehr mit dem Familienleben vereinbaren ließ. Während der Elternzeit für ihre jüngste Tochter nahm sie das Angebot ihres damaligen Chefarztes an und wechselte in eine Augenarztpraxis, um dort die Anästhesie zu übernehmen. Die Ärzte dort kannte sie bereits, ein kompletter Neustart war das also nicht, auch wenn ihr nach einiger Zeit etwas fehlte: die Klinik, die Kolleginnen und Kollegen, der fachliche Austausch.
Vom Springer-Dienst zur Leitung der Anästhesiepflege
Der Wiedereinstieg begann klein: Zunächst sprang sie im Springer-Nachtdienst am AMEOS Klinikum Warendorf dort ein, wo gerade jemand fehlte, später übernahm sie den chirurgischen Rufdienst, bei dem sie kurzfristig erreichbar sein musste. Einen ersten echten Schritt zurück in die Klinik brachte dann das Angebot von Dirk Schnaars, der ihr eine feste Stelle anbot, auch wenn sie zunächst nur freitags arbeitete, dafür aber den ganzen Tag.
Den nächsten Schub brachte ausgerechnet die Corona-Pandemie: Weil ihr Mann in dieser Zeit seine eigene Stelle reduzierte, konnte sie mit 80 Prozent einer Vollzeitstelle in die Anästhesie einsteigen. Von da an ging es Schritt für Schritt weiter, bis sie 2021 stellvertretende Leitung wurde und seit 2023 die Anästhesiepflege als Leiterin führt.
„Ich hatte schon früher das Angebot, stellvertretende Leitung zu werden, habe mich damals aber für unsere Kinder entschieden“, erzählt Stephanie Rütten. Geprägt hat sie dabei auch die Zeit in der Augenarztpraxis, wo sie als einzige Pflegekraft für alles selbst zuständig war, und als sich am AMEOS Klinikum Warendorf die Gelegenheit erneut bot, war für sie darum klar: jetzt oder nie.
Eine Weiterbildung für die neue Rolle
Im vergangenen Jahr schloss die Pflegeleiterin den Stationsleitungskurs ab, eine berufsbegleitende Weiterbildung für Führungsaufgaben in der Pflege. Diesen Schritt wollte sie schon lange gehen: Sobald sie eine Leitungsposition übernehmen würde, wollte sie die Qualifikation nachholen, einen Wunsch, den sie auch gegenüber Heiner Brechtken geäußert hatte. Ein klassisches Studium wäre für sie ebenfalls denkbar gewesen, passte mit zwei Kindern und der Pflege ihres Vaters zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht in ihr privates Leben.
In dieser Funktion kümmert sie sich seither um Aufgaben, die im Klinikalltag oft unsichtbar bleiben: Sie sorgt dafür, dass das Equipment einsatzbereit ist, und muss bei Lieferengpässen schnell entscheiden, welcher Ersatz sich für die Patientenversorgung eignet. Daneben plant sie die Dienste, koordiniert den Einsatz von Auszubildenden und Praktikanten und stimmt sich eng mit dem Chefarzt ab, damit im Alltag alles ineinander greift.
Führung, die einbindet statt anordnet
„Ich versuche, mit dem Team zusammenzuarbeiten und Wünsche ebenso wie Kritik anzunehmen“, sagt Stephanie Rütten. Manche Veränderungen brauchen zwar Zeit, bis sie umgesetzt sind, doch wichtig ist ihr, dass am Ende alle mitgenommen werden.
Wie das im Alltag aussieht, zeigt sich zum Beispiel im „Freitagsupdate“, in dem sie wöchentlich die wichtigsten Informationen zusammenfasst, oder daran, dass einmal im Monat jemand aus dem Kollegium das Protokoll übernimmt und eine kurze Fortbildung hält. Auch Dienstplanwünsche berücksichtigt sie, soweit es geht, und wenn eine Woche besonders stressig war, gibt es schon mal Schokolade für alle.
Gute Führung braucht aus ihrer Sicht vor allem zwei Eigenschaften, Empathie und die Fähigkeit, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Jungen Pflegefachkräften, die selbst einmal in eine Leitungsrolle hineinwachsen möchten, rät sie deshalb, zunächst mehrere Jahre Berufserfahrung zu sammeln, denn fachliches Wissen wiegt für sie zwar schwer, ein eingespieltes Kollegium kann es aber trotzdem nie ersetzen.
Karriere in der Pflege am AMEOS Klinikum Warendorf
Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, findet am AMEOS Klinikum Warendorf mehrere Anlaufstellen: Im Rahmen von „Pflege attraktiv“ arbeitet eine eigene Arbeitsgruppe daran, solche Karrierewege sichtbarer zu machen, und wer möchte, kann jederzeit einen Termin mit der Pflegedienstleitung vereinbaren, die für die Pflege im gesamten Haus zuständig ist. Für Stephanie Rütten war genau das entscheidend, um aus einem Freitagsdienst eine Leitungsposition zu machen.
Bis heute schätzt sie an der Arbeit in Warendorf das kleinere, familiäre Umfeld des Hauses, in dem man sich auf dem Flur mit Namen begrüßt. Nach 20 Jahren in der Anästhesiepflege sagt sie, dass sie hier gut aufgehoben ist, mit Kolleginnen und Kollegen, auf die sie sich verlassen kann und die sich auf sie verlassen.
