11.02.2019  | AMEOS Klinikum Osnabrück

Offener Austausch und interdisziplinäre Kommunikation: Symposium stellt die Patientenorientierung in der Suchtmedizin in den Fokus

Patientenorientierung in der Suchtmedizin – damit befassten sich im AMEOS Klinikum Osnabrück Prof. Bernhard Croissant, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Peter Flüchter im Rahmen eines Medizinischen Symposiums Anfang Februar.

Über patientenzentrierte Therapiekonzepte und –modelle in der Suchtbehandlung tauschten sich die Experten im historischen Treffpunkt für Kunst & Kultur aus. Eingeladen waren niedergelassene Ärzte, Psychologen, Suchtberatungsstellen und Mitarbeiter. Der Ärztliche Direktor Prof. Bernhard Croissant begrüßte die Gäste und die Referenten.

Priv.-Dozent Dr. Ralf Demmel referierte zum Thema „Motivational Interviewing“ und bezog die Zuhörer auf spannende, lehrreiche und humorvolle Weise in seinen Vortrag ein. Empathie und Motivation sind dabei die großen Stärken dieses Verfahrens, das im Rahmen der Therapie u.a. mit suchtkranken Patienten erfolgreich eingesetzt werden kann. „Dabei sind kleine Erfolge wichtiger als große Misserfolge und führen langfristig zum Gelingen“, so der Leitende Therapeut der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

Andreas Schweikert, Chefarzt der LIFESPRING Privatklinik stellte den Teilnehmenden anschließend das intensiv-individuelle Behandlungssetting der Suchtklinik vor. Neben einem besonders sanften Entzugsverfahren steht hier ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem Körper, und Geist gleichermaßen berücksichtigt werden.

Im Fokus des Vortrages von Peter Flüchter standen aktuelle Herausforderungen in der Suchtmedizin und eine Übersicht über die Neuerungen im Suchtmedizinischen Zentrum am AMEOS Klinikum Osnabrück. Es bietet suchtkranken Menschen ein breites Angebot an Behandlungsmöglichkeiten. Insgesamt vier Stationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten richten sich an Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen (Alkohol, Medikamente, illegale Drogen und nicht-stoffgebundene Süchte). Eine Tagesklinik und eine suchtmedizinische Ambulanz ergänzen das stationäre Angebot. Als Schwerpunkt bietet die neue offene Station S3 die Möglichkeit zur niederschwelligen und qualifizierten Entgiftung, insbesondere von Beikonsum bei bestehender Substitution. Zusätzlich werden Paarzimmer angeboten. Die geschützte Station S5 wird nun offen geführt. Umbauten auf der geschützten Akutstation sorgen für mehr Überwachungsbetten und bessere Beleuchtung. Die suchtmedizinische Ambulanz wird künftig eine Behandlung mit dem Aversivum Disulfiram anbieten.

Auch das sog. Nahtlos-verfahren stellte Flüchter vor, das gemeinsam mit dem regionalen Suchthilfenetzwerk auf die Beine gestellt wurde: Suchtpatienten können jetzt direkt aus der Qualifizierten Entzugsbehandlung (QE) in die stationäre Reha der Fachkliniken verlegt werden. „Dadurch soll die Rückfallquote gesenkt und verhindert werden, dass die Patienten erneut in eine Entzugsbehandlung müssen.“ erläutert der Suchtmediziner.

Der fachliche offene Austausch mit den Teilnehmenden kam auch nicht zu kurz und schafft wichtige Impulse für die Arbeit und die interdisziplinäre Kommunikation.