26.05.2016  | AMEOS Klinikum Osnabrück

Therapielücken bei Patienten mit Magersucht schließen

AMEOS Klinikum Osnabrück und Projekt Lebens*Impulse gehen neue Wege

 

Essstörungen wie Magersucht und Bulimie kommen mit einer Häufigkeit von bis zu 3% in der Bevölkerung vor. Die Magersucht beginnt häufig im Jugendalter, die Bulimie eher im frühen Erwachsenenalter. Nur wenige Betroffene konnten bisher in Osnabrück therapiert und auch erfolgreich nachbehandelt werden, da es in der Region Osnabrück an passenden Angeboten mangelte. Ein Problem, denn unbehandelt verläuft die Magersucht zu einem Drittel leicht gebessert, zu einem Viertel chronisch oder endet in 10% der Fälle tödlich innerhalb von 20 Jahren. Nur 30% der Betroffenen haben ohne Behandlung einen günstigen Verlauf mit Rückgang der Symptome. Für die Bulimie sehen die Langzeitverlaufszahlen ganz ähnlich aus.

Das therapeutische Angebot in Osnabrück war bisher gerade auch im stationären Bereich unzureichend“, so Prof. Dr. med. Bernhard Croissant, Ärztlicher Direktor AMEOS Klinikum Osnabrück. Darüber hinaus sei das System nicht ausreichend vernetzt und es gebe lange Wartezeiten.

Gemeinsam mit dem Projekt Lebens*Impulse und weiteren Partnern solle diese Lücke geschlossen werden. Denn die Betreuung von Patienten, die an einer Essstörung leiden, müsse umfassend und ganzheitlich sein und auch die Vor-und Nachsorgearbeit mit einbeziehen. „In der Vor- und Nachsorge bieten wir Betroffenen und deren Familien mit unserer psychosozialen Beratungsarbeit, den intensivtherapeutischen Wohnangeboten und ambulanten Hilfen sowie unserem Präventionsangebot an Schulen ein förderliches Spektrum“ so Ritva Hallwaß von Lebens*Impulse.

Den ersten Schritt in dieser Behandlungskette können Betroffene jetzt im AMEOS Klinikum Osnabrück machen: Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat ihr Behandlungsangebot um die Therapie der Essstörung erweitert. Die Behandlung fußt auf einem speziell auf das Krankheitsbild zugeschnittenen Konzept mit Gruppen und Einzelpsychotherapie. Ziel ist die Normalisierung des Essverhaltens und des Körpergewichts sowie das Verstehen der seelischen Zusammenhänge, die zu der Erkrankung geführt haben. Ist das Normalgewicht erreicht, geht es um dessen Aufrechterhaltung. In dieser Phase spielt vor allem die individuelle Psychotherapie eine große Rolle. Der anschließende Wechsel zwischen stationären Aufenthalten und ambulanter Behandlung sowie die ambulante Nachsorge sind weitere wichtige Bausteine des Behandlungskonzeptes.

Im Rahmen von Einzel- und Kleingruppentherapien werden zudem die Hintergründe der Erkrankung und aktuelle Probleme der Patienten erörtert. Dazu steht ein Team von speziell ausgebildeten Fachärzten, Psychotherapeuten sowie Gesundheits- und Krankenpflegern zur Verfügung.

Zu den typischen Merkmalen der Essstörung gehören starker, selbst verursachter Gewichtsverlust, Angst vor Gewichtszunahme, Veränderung des Essverhaltens, das Bestreben, die Nahrungsaufnahme einzuschränken und eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers.