Therapiekonzept

Das AMEOS Klinikum für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Osnabrück ist schwerpunktmäßig zuständig für die Behandlung und, soweit erforderlich, die Sicherung von psychisch kranken Rechtsbrechern aus den Landgerichtsbezirken Osnabrück und Bückeburg.

Grundlage ist die gerichtlich angeordnete Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß § 63 Strafgesetzbuch (Maßregel der Besserung und Sicherung). Darüber hinaus werden Menschen auf strafprozessualer Grundlage (z.B. § 126a Strafprozessordnung) sowie in Einzelfällen psychisch kranke Häftlinge oder Untersuchungshäftlinge aufgenommen.

Diagnostisch handelt es sich um Menschen mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen und Störungen, wie z.B. Schizophrenie, schizoaffektive Psychosen, Persönlichkeitsstörungen oder intellektuelle Beeinträchtigungen. Die von den Patienten begangenen Delikte umfassen Gewaltdelikte (Körperverletzungs- und Tötungsdelikte), Sexualstraftaten, Brandstiftung, Diebstahl und Raub.

Therapiekonzept

Therapiekonzept

Das vorwiegend verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Therapiekonzept umfasst Einzel- und Gruppenbehandlung. Eine indizierte Therapie mit Psychopharmaka wird individuell auf den Patienten abgestimmt.

Alle Patienten werden bezugspflegerisch nach einem individuellen Pflegeplan betreut, daneben werden pflegerische Gruppen angeboten, schwerpunktmäßig in den Bereichen lebenspraktische Fertigkeiten und Freizeitgestaltung.

Weiterhin werden ergotherapeutische Maßnahmen, pädagogische Förderung, Sport- und Bewegungstherapie sowie Musik- und Kunsttherapie angeboten.

  • Dem Behandlungsteam gehören (Fach-)Ärzte, Psychologen und Psychologische Psychotherapeuten, Pflegende, Sozialarbeiter und Ergotherapeuten an. Ergänzend sind Pädagogen, Sport- und Bewegungstherapeuten sowie Kunst- und Musiktherapeuten bei der Behandlung tätig.
  • Im multiprofessionellen Behandlungsteam werden individuelle Behandlungsziele auf der Basis eines patientenorientierten flexiblen Interventionsmodells für jeden Patienten in einem Therapieplan definiert.
  • Im Behandlungsverlauf wird dieser regelmäßig überprüft und ggf. angepasst in dem Bestreben, vorhandene Fähigkeiten (Ressourcen) zu fördern und Defizite soweit wie möglich abzubauen.

Hauptziel der Therapie ist es, den Patienten zu befähigen, ein deliktfreies Leben in einem für ihn geeigneten sozialen Umfeld zu führen.

  • Hierzu werden dem Patienten in Abhängigkeit von seinem aktuellen Behandlungsstand im Verlauf seines Aufenthalts Lockerungen (z.B. zeitlich fest gelegte begleitete und unbegleitete Ausgänge, Urlaube) gewährt, wodurch er Gelegenheit zur Erprobung erhält.
  • Die Behandlung im Maßregelvollzug geschieht in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Justizbehörden (Staatsanwaltschaft, Strafvollstreckungskammer, Jugendrichter), die über den Therapieverlauf informiert werden und über die Fortdauer der Unterbringung im Maßregelvollzug entscheiden.
  • Erst nach erfolgreichem Abschluss der letzten, in der Regel mindestens 6 Monate dauernden Erprobungsphase, dem sogenannten „Probewohnen“, bei dem der Patient außerhalb der Forensischen Klinik lebt und arbeitet, erfolgt auf richterlichen Beschluss hin die Entlassung aus dem Maßregelvollzug auf Bewährung.
  • Damit sind in aller Regel umfangreiche Auflagen und Weisungen verbunden, z.B. die ambulante Weiterbetreuung in der Forensischen Institutsambulanz (FIA).
Forensische Institutsambulanz

Forensische Institutsambulanz

In der Mehrzahl der Fälle werden die forensischen Patienten nach ihrer Entlassung durch die Forensische Institutsambulanz weiter behandelt und betreut.

Die Mitarbeiter stehen in enger Kooperation mit Bewährungshilfe und Führungsaufsicht, Strafvollstreckungskammer, gesetzlichem Betreuer, Mitarbeitern von psychiatrischen Wohnheimen sowie Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM).

In regelmäßig statt findenden Fallkonferenzen wird mit dem Patienten und allen an der Nachsorge Beteiligten der ambulante Therapieverlauf reflektiert, ggf. werden Änderungen vorgenommen.

Zu den wichtigsten Zielen dieser intensiven Zusammenarbeit gehören die frühzeitige Erkennung psychischer Veränderungen und drohender Krisen, um somit einer möglicherweise damit einhergehenden erneuten Delinquenz vorzubeugen.