Die Geschichte des AMEOS Klinikums Hildesheim

Entstehung

Das AMEOS Klinikum Hildesheim gründet auf einer wechselvollen Geschichte und damit auf einer langen Tradition in der Sorge um psychisch kranke Menschen. Es steht in der Nachfolge der früheren Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim – der ältesten Einrichtung in Niedersachsen – und der des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Hildesheim.

Das ehemalige Königreich Hannover verfügte zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur über das bereits 1731 eingerichtete Zucht- und Tollhaus in Celle zur Unterbringung psychisch Kranker. Im Laufe der folgenden Zeit setzte sich die Einsicht durch, dass die unmittelbare Nähe von psychisch kranken Menschen und straffällig gewordenen Menschen nicht zuträglich sei. 1816 und 1817 wurden entsprechende Anträge an die politischen Gremien formuliert, für psychisch kranke Menschen eine eigene Krankenanstalt einzurichten. Im Zuge der durch die Säkularisierung bedingte Auflösung der Klöster wurde die Umwandlung des St. Michaelisklosters Hildesheim als Heilanstalt vorgesehen. Sie wurde am 30.05.1827 für Geistes- und Gemütskranke eröffnet. 1833 wurde das benachbarte Magdalenenkloster miteinbezogen. Beide Abteilungen trugen nunmehr den Namen Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim. Nach heutigem Sprachgebrauch waren konzeptionell im Michaeliskloster die Akutpsychiatrie und im Magdalenenkloster die Langzeitpsychiatrie untergebracht. Die Anstalt erreichte in kurzer Zeit ein hohes Ansehen. Bald war die Gesamtkapazität von 400 Kranken ständig überschritten und eine Erweiterung unumgänglich. Ein königliches Schreiben regte die Errichtung eines dritten Anstaltsbereiches im Stift Bartholomäi zur Sülte an. 1845 erfolgt eine Genehmigung des Neubaus, der 1849 eröffnet wurde. Die Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim galt nun als die „größte und angesehenste Anstalt Deutschlands“. Später kam die Ackerbaukolonie in Einum hinzu, um die permanente Überbelegung der Heilanstalt wenigstens teilweise aufzufangen. In den folgenden Jahrzehnten gab es sowohl inhaltlich wie baulich gezielte Entwicklungsschritte und Erfolge zu verzeichnen.

Der erste Weltkrieg

Der erste Weltkrieg verhinderte weitere erforderliche Baumaßnahmen. Im Jahr 1940 wurden im Michaelis- , Magdalenen- und Sültekloster 1132 Patienten betreut. Den emotionalsten Tiefpunkt erlebte das Krankenhaus während der nationalsozialistischen Herrschaft. Im Rahmen der „T4-Aktion“ erlitten über 400 Patienten den Abtransport in die Vernichtungsanstalt Hadamar in Hessen. Im gleichen Jahr wird im Bereich Sültekloster durch die Wehrmachtsverwaltung ein Lazarett eingerichtet. 1943 ordnet der Oberpräsident in Hannover die Räumung des Michaelisklosters an, die Schutzstaffel Germania zieht mit einer SS-Schule ein. Die Patienten wurden in die Anstalten Uchtspringe und Alt-Scherbitz verlegt. In den letzten Kriegstagen wird der Bereich Michaeliskloster durch einen Bombenangriff vernichtet. Die Patienten kommen in die Heil- und Pflegeanstalt Wunstorf. 1950 wird im Sültekloster eine klinische Abteilung eingerichtet, die sich bis zum Jahr 1964 auf das gesamte Sültekloster ausweitet.

Der Beginn des Landeskrankenhauses

Der Neubau in der Goslarschen Landstraße am 28.10.1968 erfolgt die Grundsteinlegung für die Neubauten des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Hildesheim an der Goslarschen Landstraße. Zwei Jahre später wird die „alte Sülte“ umbenannt in Niedersächsisches Landeskrankenhaus Hildesheim. Von 1974 bis 1976 zieht das Landeskrankenhaus in mehreren Abschnitten vom Sültekloster auf das heutige Gelände am Galgenberg in die im Pavillonstil errichteten Gebäude. Die Einrichtung wird durch ihre inhaltliche und bauliche Konzeption als das „modernste Landeskrankenhaus der Bundesrepublik“ bezeichnet. Die Einweihung des Funktionsbereiches Kinder- und Jugendpsychiatrie wird 1981 begangen. Ein Jahr später erfolgte auf ministeriellen Erlass die Zuordnung der Fachabteilung für Ringelheim an das Niedersächsische Landeskrankenhaus Hildesheim. Das Landeskrankenhaus wächst damit auf eine Kapazität von 820 Planbetten. Die Fachabteilung Ringelheim wird sechs Jahre später in ein Wohnheim umgewandelt und 1998 aufgelöst. Ein Jahr zuvor wurde zusätzlich zu den bisherigen drei Tageskliniken in der Erwachsenenpsychiatrie eine erste externe Tagesklinik in Hameln im Rahmen eines Kooperationsvertrages in dem dortigen Kreiskrankenhaus Hameln eröffnet. Am 30. Mai 2002 beging das Niedersächsische Landeskrankenhaus Hildesheim sein 175jähriges Bestehen. Es hat sich zu einer differenzierten und hochkompetenten Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie entwickelt.

Das Landeskrankenhaus wird zum AMEOS Klinikum Hildesheim

Im September 2007 wurde das Landeskrankenhaus Hildesheim an die AMEOS Gruppe verkauft. In der Trägerschaft der AMEOS Krankenhausgesellschaft Niedersachsen mbH besteht das AMEOS Klinikum Hildesheim aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sowie der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Die AMEOS Krankenhausgesellschaft Niedersachsen mbH ist ebenso Träger des AMEOS Klinikum Hameln und seit 2009 der AMEOS Eingliederung Hildesheim. In den letzten drei Jahren entwickelte sich das Behandlungsspektrum zukunftsorientiert weiter. Insbesondere wurden die gemeindenahe Versorgung, die Vernetzung in der Region, der Ausbau differenzierter Behandlungsangebote und ein zielstrebiges Qualitätsmanagement konsequent und zeitnah ausgebaut. Zur 175-Jahr-Feier entstand eine Festschrift, die alle Facetten der Geschichte und die Entwicklungen der letzten Jahre breit gefächert darstellt. Quellenangabe: Ritzel, Günther: 175 Jahre Niedersächsisches Landeskrankenhaus Hildesheim, Festschrift, Hildesheim 2002.