Mikrochirurgie

Eine einfache Wunde wird in der Regel direkt verschlossen. Muss Gewebe mobilisiert und verlagert werden, spricht man von einer lokalen Lappenplastik. Zum Verschluss eines größeren Defektes reicht das in der unmittelbaren Umgebung befindliche Gewebe aber häufig nicht aus. Es wird dann von einer anderen Stelle des Körpers, dem Spenderareal, entnommen. Man bezeichnet dies als eine Fernlappenplastik.

Um ausreichend Weichteile für den Wundverschluss zu haben, ist es manchmal sogar notwendig, einen Gewebeblock komplett, inklusive seiner versorgenden Blutgefäße abzutrennen. Im nächsten Schritt der Operation wird dieser an die bedürftige Stelle verlagert. Notwendig wird dann der Wiederanschluss an die Blutversorgung des Körpers. Man spricht von der sogenannten freien Lappenplastik. Diese mikrochirurgischen Verfahren sind technisch anspruchsvoll und mit einem hohen Zeitaufwand im Operationssaal verbunden. 

Für den Eingriff ist, neben dem erfahrenen chirurgischen Team, ein Mikroskop mit starker Vergrößerung notwendig. Mit sehr feinen Instrumenten und noch feineren Fäden, mitunter 1/12 mm, werden die die notendigen Arterien und Venen genäht. Diese kleinsten Gefäße haben manchmal nur einen Durchmesser von weniger als 1 mm und müssen trotzdem für den Blutfluss durchgängig bleiben.

Insofern ist auch die spätere Überwachung des Operationserfolges auf einer Intensivstation engmaschig und aufwendig.

Der Vorteil einer freien Lappenplastik liegt in der besseren Verfügbarkeit und Auswahl des Spendergewebes. Je nach dem Bedarf können Haut, Fett, Muskel und Muskelhaut sowie Knochen einzeln oder in Kombination für das Wiederherstellungsverfahren ausgewählt werden. Die Operateur*innen sind somit in der Lage, die Rekonstruktion an den mechanischen und funktionellen Anspruch der bedürftigen Empfängerregion besser anzupassen.