12.04.2019  | AMEOS Klinikum Dr. Heines Bremen

Psyche im Gespräch - Einführung in die Kunsttherapie

Wenn wir ein tiefes Ultramarin-Blau betrachten oder ein strahlendes Gelb, ein kräftiges Orange, ein leuchtendes Rot, ein sattes Gelbgrün oder ein zartes Violett - welche Empfindungen, Assoziationen, Erinnerungen oder Emotionen entstehen dabei in uns? Ein kurzes intensives Beobachten der Wirkung dieser einzelnen Farben leitete den Vortrag „Einführung in die Kunsttherapie“ ein. Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe „Psyche im Gespräch“ am 04. April 2019 im AMEOS Klinikum Dr. Heines Bremen statt.

Carola Mettcher-Gohlke, Diplom-Kunsttherapeutin, führte durch die Bewusstseinsentwicklung der Menschheit von der archaischen Bewusstseinsstruktur des vorgeschichtlichen Menschen bis zum integralen Bewusstsein, die der Philosoph und Bewusstseinsforscher Jean Gebser beschreibt. Erste künstlerische Gestaltungen hinterließen uns laut Mettcher-Gohlke die Menschen in der magischen Bewusstseinsstruktur in den Höhlenmalereien ab ca. 43.000 Jahren v.u.Z. Bewusstseinsentwicklung und künstlerischer Ausdruck in den verschiedenen Bewusstseinsstrukturen zeigen das Wechselspiel zwischen Bewusstsein und künstlerischem Ausdruck auf. Hierbei stellt sich die Frage, welche Kunst wird es sein, die die Menschheit in die Zukunft begleitet?

Anhand zweier kunsttherapeutischer Ansätze aus einer mittlerweile breit gefächerten Landschaft kunsttherapeutischer Ansätze und Methoden gab Carola Mettcher-Gohlke einen Einblick in die Kunsttherapie und ihre kunsttherapeutischen Methoden in der Tagesklinik. Sowohl beim therapeutischen Plastizieren, wie auch bei der Maltherapie nach Ingrid Riedel, basierend auf der Psychologie C.G. Jungs, stehen Selbstreflexion und Selbstgestaltung im Mittelpunkt. Unbewusstes wird mit Bewusstem verbunden. Während im Gestaltungsprozess selbst oftmals große Entlastung, Freude an der eigenen Gestaltung oder Ablenkung von immerwährenden negativen Gedanken erlebt werden, wirken sowohl das Ergebnis als auch das gemeinsame Arbeiten, Austauschen und Besprechen in der Gruppe therapeutisch. Die selbst erschaffenen Plastiken und Bilder ziehen eine seelisch-geistige Entwicklung nach sich, verstärken und manifestieren ressourcenorientierte Imaginationen und können als zutiefst identitätsstiftend erlebt werden. Eindrückliche Bildbeispiele und eine kleine praktische Übung rundeten den Vortrag ab.

 

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