Transkulturelle Rehabilitation

Für Migrant*innen der ersten, zweiten oder dritten Generation ist die Auseinandersetzung mit psychischen Belastungen oft besonders herausfordernd. Themen wie Entwurzelung, Heimweh, Integration oder das Gefühl der Heimatlosigkeit sind häufig bei Menschen mit Migrationshintergrund zu beobachten. Mitunter äußern sich psychische Beschwerden bei Menschen, die in einem anderen sozialen und kulturellen Milieu aufgewachsen sind, auf andere Art. Schmerzstörungen sind die häufigste Diagnose.

Die transkulturelle Rehabilitation des AMEOS Reha Klinikums Inntal setzt an diesen Punkten an: Die psychosomatische Behandlung findet in einem kultursensiblen Milieu sowie bei Bedarf in der eigenen Muttersprache statt.

Unser Behandlungsteam – bestehend aus größtenteils mehrsprachigen Ärzt*innen, Psycholog*innen und Therapeut*innen – ist mit transkultureller Psychosomatik gut vertraut und blickt auf langjährige Erfahrung zurück.

Die Angebote in Muttersprache sind Einzel- sowie ggf. Gruppentherapien und Sozialberatung. Therapeutische Angebote auf Türkisch finden laufend statt, weitere Sprachkompetenzen wie z.B. Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Russisch u. a. können im Vorfeld bei unserem Patientenmanagement angefragt werden.

 

Indikationen

Indikationen

Beim Müdigkeitssyndrom und bei Burnout geht es nicht nur um eine gute Erholung in Entspannungsprogrammen und Kräftigung in der Körpertherapie und im Sport, sondern auch um die seelischen Hintergründe und feindlichen Bedingungen, die dem Betroffenen die Kräfte rauben. 

Depressionen und depressive Anpassungsstörungen: Neue Perspektiven für das Leben finden, die Ziele neu definieren und die Verhältnisse besser ordnen, zum Beispiel durch ein oder mehrere Partnergespräche aus der Krise rauszukommen, das sind einige der Ziele, die bei diesen Erkrankungen im Vordergrund stehen. Wer eine schwere Krise erlebt hat (sogenannte kritische Lebensereignisse wie Tod eines Angehörigen, Scheidung, Arbeitsplatzverlust, Drogenabhängigkeit eines Kindes, Untreue des Partners etc.) und darauf depressiv statt offensiv reagiert hat, braucht neue Anker im Leben.

Mobbing und schwer lösbare Arbeitsplatzkonflikte: Es gilt das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen, ein Raus aus der Opferrolle und eine neue Fähigkeit zur Kommunikation sind bei diesen Problemen wichtige Therapieziele, zumal es sich dabei häufig um Kommunikationsprobleme und eine mangelnde Widerstandsfähigkeit der von Vorgesetzten oder Kollegen manchmal unempfindsam-gedankenlos, oft aber auch mit Lust und Absicht gequälten Menschen handelt.

Posttraumatische Belastungsstörungen: Nicht selten erzählen uns unsere türkischen Mitpatienten vom letzten großen Erdbeben in der Türkei, wo sie sich gerade noch aus dem 8. Stock eines Wohnhauses retten konnten und der Verschüttung zuvorkamen. Aber Naturkatastrophen sind nicht die einzigen Traumata; körperliche Misshandlungen, Gewaltausübung, sexueller Missbrauch sind unabhängig vom Kulturkreis häufiger. Unsere Hilfe heißt: behutsam darüber sprechen, aber zugleich auch die stabilisierenden Lebensbezüge noch besser entwickeln, wie dies in der Arbeit mit dem inneren Wächter (my bodyguard) oder dem Schutzengel passiert.

Angsterkrankungen: Angst ist von den negativen Gefühlen eines der schwerwiegendsten Störenfriede, wenn diese Angst längst ihre Signalfunktion verloren hat und stattdessen den Menschen lahmlegt. Im Gespräch der eigens dafür eingerichteten Angstgruppe wie auch bei speziellen verhaltenstherapeutischen Übungen in der Einzeltherapie, in der sozialen Kompetenzgruppe oder in der berufsbezogenen Sozialgruppe werden die Ängste abgebaut und neue Erfahrungen gesammelt, die dem Menschen sein Selbstvertrauen zurückgeben.

Psychosen in remittiertem (=erholtem) Zustand: Wer eine Psychose durchgemacht hat, beispielsweise im Rahmen einer Schizophrenie, braucht nicht nur weiterhin eine sorgfältige medikamentöse Einstellung, sondern auch neues Zutrauen in die eigene Person, verständnisvolle und vorurteilsfreie Kommunikation mit den Mitmenschen und ein gutes Bewältigungsverhalten.