21.10.2019  | AMEOS Klinikum Bad Aussee

Wenn Zwänge Leben und Beziehungen belasten

Am 11. und 12. Oktober veranstalteten die AMEOS Klinika in Bad Aussee eine psychosomatische Fachtagung unter dem Titel „Wenn Zwänge das Leben bestimmen und Beziehungen belasten“. Das Konzept der Tagung war diesmal ein ganz besonderes, denn es gingen dabei nicht nur Experten des medizinisch therapeutischen Fachbereiches in den gemeinsamen Austausch sondern auch Betroffene und deren Angehörige.

Psychosomatische Kompetenz im Herzen Österreichs

Die AMEOS Akutklinika für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sind seit 13 Jahren ein wichtiges Versorgungszentrum für psychosomatische Erkrankungen in Österreich. Seit ihrer Gründung 2006 haben sich die Klinika als wichtiger Teil des Ausseer Gesundheitsparks einen Namen gemacht. Im Rahmen der Eröffnungsansprachen wiesen der Bürgermeister der Stadtgemeinde Bad Aussee, Franz Frosch, und Univ. Prof. Dr. Karl Harnoncourt auf den beschwerlichen Weg und die zahlreichen Hürden bis zum Bau der Psychosomatischen Akutklinika hin. Eng verbunden damit waren erste Schritte zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Für Helmut Bauer, den neuen Krankenhausdirektor der AMEOS Klinika in Bad Aussee sind die Akutklinika: „…eine einzigartige Synthese aus hoch differenzierten Behandlungskonzepten, einer hotelgleichen Unterbringung und Verpflegung, eingebettet in die atemberaubende Steiermärkische Landschaft, der aufgeschlossenen und freundlichen Lebensart der Menschen in dieser Region und den sehr qualifizierten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Durch die Pionierarbeit der Mediziner und Psychologen der AMEOS Klinika in Bad Aussee gelang es, die einst skeptisch beäugte Fachklinik zu einem bekannten und geschätzten Zentrum für Psychosomatik zu entwickeln. Die Übernahme der Akutklinika durch die AMEOS Gruppe 2011 sicherte das Weiterbestehen dieser wichtigen Einrichtung. Besondere Behandlungsschwerpunkte wie jener der Zwangserkrankungen, der Behandlung von Essstörungen, von Erschöpfungssyndromen, Depressionen u.a. entstanden an den  AMEOS Klinika in Bad Aussee. Heute transportieren die Fachklinika ihre Kompetenz auch bei der Ausbildung von Nachwuchsmedizinern und bei Fachfortbildungen über die Grenzen Österreichs hinaus.

Zwänge - sie ziehen sich wie eine Schlinge um den Erkrankten

Die psychische Erkrankung der Zwangsstörung betrifft in Österreich rund 200.000 Menschen. Bis es zu einer klaren Diagnosestellung kommt, durchläuft der Betroffene häufig viele unterschiedliche Stationen bis hin zur psychiatrischen Unterbringung. Oder aber die Erkrankungssymptome werden aus Scham und Angst versteckt und geheim gehalten. Für Familienangehörige und Freunde bedeutet die Erkrankung ebenfalls eine enorme Belastung, da ein normales Leben für und mit den Betroffenen nach und nach unmöglich wird. Der Zwang fordert in Form von Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen immer mehr von der Aufmerksamkeit und Zeit des Patienten. Der Betroffene entwickelt teils ausgeklügelte Rituale, die er streng befolgt, um die vermeintlichen Bedrohungen, welche ihm der Zwang suggeriert, fern zu halten. Das kann so weit gehen, dass diese Rituale den gesamten Tagesablauf bestimmen.

Dr. Ulrich Förstner, Oberarzt an den AMEOS Klinika in Bad Aussee ist seit vielen Jahren auf die Therapie von Zwangserkrankungen spezialisiert. Er etablierte am Standort in Bad Aussee den Therapieschwerpunkt Zwangsstörungen. Für die Fachtagung erstellte Dr. Förstner durch seine zahlreichen Kontakte zu spezialisierten Einrichtungen, Universitätsinstituten und Klinika ein geballtes Aufgebot an namhaften Referenten. Prof. Hans Reinecker (Universität Bamberg), Dr. Tobias Freyer (Parkklinik Wiesbaden) und Dr. Stefan Koch (Schön Klinik Roseneck) gelten als ausgewiesene Experten in der Behandlung von Zwangsstörungen und präsentierten den Teilnehmern der Fachtagung ihr Wissen und ihre Erfahrung.

200 Tagungsbesucher aus Österreich und Deutschland 

Die Fachtagung startete am Freitagabend mit einem Filmvortrag. Der an einer Zwangsstörung leidende Regisseur und Hauptprotagonist Oliver Sechting zeigte in seinem Film „Wie ich lernte die Zahlen zu lieben“ ein sehr persönliches Portrait und darüber hinaus die mit psychischen Erkrankungen verbundene Problematik. Das Verständnis und die Unterstützung durch das soziale Umfeld unterscheiden sich bei psychischen Erkrankungen wesentlich von jenem bei körperlichen Erkrankungen. Das wurde im Film sehr deutlich und Sechting holte das Publikum für 90 Minuten in die Welt eines Betroffenen und seiner persönlichen Beziehungen. Der Film stellte eindrucksvoll den Leidensdruck des Patienten und die Verstrickung Angehöriger und Freunde dar. Der anschließend rege Austausch und die zahlreichen Beiträge aus dem Publikum spiegelten die Erfahrung des Filmemachers wider. Der kreative und hoch authentische Input des Filmes leitete in das Vortragsprogramm am Samstag ein.

Zwangsstörungen erkennen und verstehen, Therapiemöglichkeiten und ihre aktuellen Updates und die neurobiologischen Fakten der Zwangserkrankung waren ebenso Inhalt der Fachbeiträge wie zahlreiche Fallberichte. Das Publikum bekam ein abwechslungsreiches und bestens aufeinander abgestimmtes Programm geboten.

Trialog und Online Unterstützung

Während sich Teilnehmer aus den medizinischen und psychologischen Berufsgruppen am Samstagnachmittag in vertiefenden Workshops zu speziellen Therapiemöglichkeiten der Zwangserkrankung informierten, hatten Betroffene und Angehörige die Gelegenheit bei einer Podiumsdiskussion Fragen an die Experten zu stellen. Als Vertreter der Betroffenen und Angehörigen waren Josef und Theresa Schauer am Podium, Begründer der Plattform www.zwänge.at. Dieses österreichische Portal rund um Zwangserkrankungen bietet eine Möglichkeit für Betroffene sich zu vernetzen und an wichtige Informationen zu gelangen. Frau Schauer konnte als ehemals Betroffene die Innensicht der Erkrankung und die Probleme in ihrer Partnerschaft durch die Erkrankung sehr gut darstellen. Herr Schauer ermutigte mit seiner Geschichte als Ehepartner der ehemaligen Betroffenen das Publikum, sich im Falle der Erkrankung rechtzeitig Hilfe von außen zu organisieren. Unter den Zuhörern waren auch Stellvertreter von Selbsthilfegruppen für Zwangsstörungen und so wurde eine Erweiterung bestehender Netzwerke angestoßen.

Bei Abschluss der Veranstaltung konnte ein sehr positives Resümee gezogen werden. Viele neue Kontakte wurden geknüpft, bestehende Unterstützungsangebote wurden sichtbar und der Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachkreisen erzielte die beabsichtigten fördernden Effekte. Das herrliche Wetter und die wunderschöne Ausseer Bergwelt boten für die Tagungsteilnehmer einen zusätzlich Mehrwert bei ihrem Besuch im Salzkammergut.

Hilfe für Betroffene und Angehörige:

Plattform: www.zwänge.at.

Selbsthilfegruppen Österreich Bundesverband: https://www.bundesverband-selbsthilfe.at/