| AMEOS Klinikum Halberstadt

Innovatives Verfahren verbessert Hörsinn

Konventionelle Hörgeräte funktionieren so, dass sie Schallwellen aus der Umgebung verstärken und ans Mittelohr weiterleiten. Hier sind der Technik Grenzen gesetzt. Denn bei höhergradiger Schwerhörigkeit, aber auch bei wiederholter Entzündung des Gehörgangs, können diese Hörsysteme schlecht oder gar nicht genutzt werden.

An der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des AMEOS Klinikums Halberstadt wird jetzt ein Verfahren angewendet, das den Patienten eine deutliche Verbesserung im Hörvermögen verschafft. Die Rede ist vom so genannten Carina®-Implantat.

Das Besondere an diesem Implantat ist, dass die Schallwellen zuerst in elektrische Impulse umgewandelt und erst im Mittelohr wieder in einen mechanisch wahrnehmbaren Reiz zurückübertragen werden, welcher dann von den Gehörknöchelchen an das Innenohr und weiter über die Nervenbahnen ins Gehirn geleitet werden. „Wir können mit diesem System auch Menschen mit höhergradigen Schwerhörigkeiten, die bisher ein Cochlea Implantat benötigten, helfen. Das Hören wird dadurch natürlicher und klarer“, erklärt Chefarzt Dr. Jörg Langer. Ein weiterer Vorteil, den die Patienten sehr zu schätzen wissen: Im Unterschied zu Hörgeräten oder dem Cochlear-Implantat ist das Carina®-System so implantiert, dass es für die Umgebung des Trägers vollkommen unsichtbar ist. Es handelt sich um das erste vollständig implantierbare Hörsystem.

Annett Giesert aus Teutschenthal bei Halle ist eine der ersten Patientinnen, denen Dr. Jörg Langer das neue System implantiert hat. Ihr Hörvermögen ist seit Kindestagen eingeschränkt. Lange hat sich die 45-Jährige mit anderen teilimplantierbaren Hörsystemen geholfen, mittlerweile ist diese Lösung nicht mehr ausreichend. Mit dem neuen System empfängt sie akustische Signale aus ihrer Umwelt fast so gut wie normal Hörende.

Ein großer Erfolg für Dr. Langer und sein Team, denn bei der Implantation ist allergrößte Genauigkeit gefragt. Der Bereich, in dem der Chefarzt operiert, wird mittels computergesteuerten Bildgebungsverfahren digital vergrößert – für das menschliche Auge allein wären die Details gar nicht wahrnehmbar, so winzig sind Strukturen tief innen im menschlichen Ohr.

Vier Wochen nach der Operation ist Annett Giesert erneut in der Klinik. Nur liegt sie diesmal nicht auf dem OP-Tisch bei Chefarzt Langer, sondern lässt von Medizintechniker Stefan Wendt die Einstellungen des Systems überprüfen. Er führt verschiedene Tests mit der Patientin durch, um zu sehen, ob der Heilungsprozess der Operationswunde die Position des Carina®-Systems verändert hat. Etwa 20 Minuten lang erprobt der Techniker die Einstellungen am System, dann nickt er zufrieden. „Hätte nicht besser laufen können“, versichert er der Patientin.

Mit einem Lächeln und dem Hörvermögen eines gesunden Menschen verlässt Annett Giesert das Gelände des AMEOS Klinikums in Halberstadt. Ihr nächster Nachsorgetermin ist in etwa einem Jahr.