04.07.2016  | AMEOS Klinikum Halberstadt

Bauchbeschwerden: Wie kläre ich systematisch ab? (mit 90 %igem Erfolg)

Im gut gefüllten Kongresszentrum des AMEOS Klinikums Halberstadt konnte zur überregionalen Tagung des Frau-Mutter-Kind-Zentrums, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Herr Professor Dr. med. Peter Clemens vom HELIOS Klinikum Schwerin auf das Herzlichste durch Herrn CA Dr. med. Cornelius Presch begrüßt werden.

Herr Professor Clemens gilt als anerkannter Experte auf dem Gebiet der Stoffwechselkrankheiten im Kindes- und Jugendalter. Das Frau-Mutter-Kind-Zentrum, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, hatte zum Thema „Chronische Bauchschmerzen“ eingeladen. So war vom Referenten zu hören, dass chronische oder immer wiederkehrende Bauchschmerzen häufig im Kindes- und Jugendalter beginnen und meist nicht nur wenige Jahre, sondern oft über Jahrzehnte fortbestehen und das Wohlbefinden unserer Patienten mehr oder weniger stark beeinträchtigen.

Manche der Patienten haben nur Blähungen, durchfällige Stühle oder eben einfach Schmerzen, die oft scheinbar nicht in Zusammenhang mit Nahrungsaufnahme stehen. Diesen Patienten kann durch fachkundiges Wissen ärztlicherseits oft geholfen werden. So stehen ganz oben auf der Unverträglichkeitsliste Unverträglichkeiten gegen Frucht- und Milchzucker. Über 70 % dieser chronischen Bauchschmerzen sind fruchtzuckerbedingt, der sich unserem täglichen Leben in nahezu allen Nahrungsmitteln mehr oder weniger versteckt - nicht nur in Früchten, sondern auch in verschiedenen Gemüsesorten. Häufig wird Fructose von der Industrie auch zum Haltbarmachen von Lebensmitteln benutzt. Durch genaue Anamnese und spezielle Testungen können die „Übeltäter“ entlarvt werden. Danach schließt sich eine Diät- bzw. Ernährungsberatung an und durch oft einfache Nahrungsumstellung gelangen diese Patienten durch Nahrungsumstellung bei gesicherter Diagnose zur Beschwerdefreiheit.

Weiter war vom Referenten zu hören, dass bei Einhaltung eines bestimmten standardisierten Untersuchungsschemas eine Vielzahl auch belastender Untersuchungen wie Endoskopien wegfallen, wenn vorher die sogenannten „Kohlenhydratbelastungstests“ in Form von Atemtestungen durchgeführt werden. In seinem Patientengut kommt der Begriff „Reizdarm“ bei nur noch 8 % vor. Der Reizdarm stellt also im Grund genommen eine „Verlegenheitsdiagnose“ dar, deren Ursachen wir nicht bzw. noch nicht kennen.

In der anschließenden Diskussion gab es zu dieser Thematik neben vielen Ergänzungen auch unklare Fallberichte zu hören, die im fachlichen Wettstreit erfolgreich geklärt werden konnten. Auch bereits vorhandenes Wissen konnte vertieft werden. Zukünftig werden wir hier im Klinikum unseren Patienten nicht nur „Nahrungsmittelprovokationen“ anbieten, sondern vor allem auch „chronische Bauchschmerzdiagnostik.“ Abschließend waren sich wieder alle einig, eine exzellent vorbereitete Veranstaltung, die zum Wohle und zur Gesundung unserer Patienten beitragen wird.