23.01.2020  | AMEOS Klinikum Aschersleben

Neue Wege gehen: Alterstraumatologisches Zentrum und Geriatrische Tagesklinik

Der Anteil der Menschen über 65 Jahre ist im Salzlandkreis besonders hoch - viel stärker als im Bundesdurchschnitt. So sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 27 Prozent der Einwohner zwischen Aschersleben, Bernburg und Schönebeck über 65 Jahre. Im deutschlandweiten Vergleich beträgt der Anteil nur 21 Prozent.

Diese Altersstruktur stellt insbesondere die medizinische Versorgung im Salzlandkreis vor große Herausforderungen. Das Zentrum für Altersmedizin im AMEOS Klinikum Aschersleben-Staßfurt, mit dem neu gegründeten Alterstraumazentrum und seiner geriatrischen Tagesklinik, trägt dieser Entwicklung Rechnung.

Alterstraumatologisches Zentrum: Interprofessionelle Behandlung senkt Sterberisiko

Gerade im Alter sind Knochenbrüche eine der häufigsten Ursachen für Behinderung und den Verlust von Selbständigkeit. Die winterliche Jahreszeit, mit Glätte, Eis und Schnee, führt zu zahlreichen solcher Frakturen. Nach aktuellen Zahlen kommen jährlich mehr als 400.000 ältere Menschen in der Bundesrepublik nach einem Sturz ins Krankenhaus. Prognosen gehen davon aus, dass die Anzahl älterer Menschen mit Frakturen in den kommenden zehn Jahren um bis zu 40 Prozent zunehmen wird.

Besonders nach Hüft- oder Oberschenkelhalsbrüchen werden ältere Patienten oft bettlägerig und pflegebedürftig. Zehn Prozent der in der Regel betagten multimorbiden Patienten sterben innerhalb der ersten 30 Tage nach ihrem Sturz. Bis zu 20 Prozent verlieren ihre Selbstständigkeit und müssen in eine Pflegeeinrichtung einziehen.

Diese dramatischen Zahlen zu senken, hat sich das AMEOS Klinikum Aschersleben-Staßfurt zum Ziel gesetzt. Im, seit Dezember 2019, bestehenden alterstraumatischen Zentrum arbeiten Geriater und Unfallchirurgen von der Aufnahme bis zur Entlassung der Patienten beispielhaft zusammen.

„Diese perioperative Zusammenarbeit in einem multifunktionalen Team hat zur Folge, dass die Mortalitätsrate bei multimorbiden Patienten um bis zu 22 Prozent zurückgeht, das bestätigen aktuelle Studien. Grundlage bildet etwa eine schnelle Versorgung der Fraktur binnen 24 Stunden“, so Dr. med. Enrico Kahl, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie.

Peter Schmiedel, Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin ergänzt: „Die Zusammenarbeit bedeutet in der Praxis, dass der Geriater mehrmals pro Woche auf der Unfallchirurgie ist und der Unfallchirurg mehrmals in der Woche im Zentrum für Altersmedizin. So sehe ich etwa auf den Konsilen unsere Patienten wie sie in den OP der Unfallchirurgen reinrollen. Wir können in direkter Absprache die Medikation, die begleitenden Diagnosen, die Briefe und eine optimale und zeitnahe Verlegung abklären.“

Durch diese strukturierte Versorgung können Komplikationen bei ohnehin schon eingeschränktem Allgemeinzustand der Patienten weiter reduziert werden, wie etwa gefährliche Medikamentenkombinationen. Ziel ist die Erhaltung der Selbstständigkeit und vor allem der Selbstbestimmung der betagten Patienten.

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zertifizieren die unfallchirurgischen und geriatrischen Fachabteilungen mit den entsprechenden qualitativen Versorgungsstrukturen zu Alterstraumatologischen Zentren, wenn entsprechende Qualitätsmerkmale erfüllte werden. Diese Zertifizierung ist nun das Ziel.

Geriatrische Tagesklinik: Selbständigkeit wieder erlernen

Bereits vor einem Jahr wurde in AMEOS Klinikum Staßfurt eine Geriatrische Tagesklinik eröffnet. Seit Januar 2019 werden in der geriatrischen Tagesklinik multimorbide Patienten behandelt, die noch Defizite bei der Mobilität oder den manuellen Fähigkeiten haben und deren akutstationäre Behandlung noch nicht vollständig abgeschlossen ist, jedoch nachts keine ärztliche oder krankenpflegerische Betreuung mehr benötigen.

„Über die Tagesklinik lassen sich Patienten sehr gut wieder in die Häuslichkeit zurückführen. Sie werden somit, etwa nach einem Eingriff, nicht Knall auf Fall wieder nach Hause entlassen und müssen dann alleine klarkommen. Der noch bestehende Behandlungsbedarf wird über den Aufenthalt in der Tagesklinik abgedeckt. Die Nacht können sie dann in den eigenen vier Wänden verbringen. Somit wurde die bereits bestehende vollstationäre Versorgungsstruktur betagter, multimorbider Patienten um eine teilstationäre Versorgungsstruktur erweitert, um die Behandlung noch gezielter und damit patientenorientierter durchführen zu können“, so Chefarzt Peter Schmiedel.

Im Bild: Peter Schmiedel (links), Chefarzt im Zentrum für Altersmedizin, und Dr. med. Enrico Kahl, Chefarzt Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie