27.11.2019  | AMEOS Klinikum Aschersleben

„Blau am Lenkrad“: Genuss von Glühwein und Co wird von Autofahrern oft unterschätzt

Wie in jedem Jahr öffnen  Ende November deutschlandweit die Buden auf den Weihnachtsmärkten. Und wenn es um die Getränke auf den Märkten geht, dann sind Glühwein, Punsch oder Feuerzangenbowle mit Abstand am beliebtesten. Leider setzen sich viele Bundesbürger nach dem Genuss dieser alkoholischen Getränke hinters Steuer. Zum Teil mit fatalen Folgen.

Fest steht: Schon ein Glas oder Becher Glühwein kann für den Autofahrer zu viel sein. Denn der Glühwein hat es wirklich in sich. Als Heißgetränk aus Rotwein, Zucker und Gewürzen und einem durchschnittlichen Alkoholgehalt von 8 bis 13 Prozent (etwa bei Fertigprodukten), geht das Getränk sehr schnell in den menschlichen Organismus über. Je nach Körpergewicht, Alter und Geschlecht erreicht man zügig die gesetzlich relevante Promillegrenze.

Dr. Stephan Singöhl, Chefarzt der Klinik für Notfallmedizin am AMEOS Klinikum Aschersleben:  „Glühwein oder andere alkoholische Getränke werden sehr schnell vom Körper resorbiert. 10-15 Prozent des Alkohols werden bereits im Magen aufgenommen. Die Resorption von Alkohol geht aber nach dem Trinkende noch weiter. So kann es dazu kommen, dass das Maximum der Wirkung erst während der Autofahrt einsetzt auch wenn man sich zu Beginn der Fahrt noch gut fühlt. Daher rühren oft die Fehleinschätzungen zur eigenen Fahrtauglichkeit. Da 25 Prozent des Herzminutenvolumens das Gehirn versorgen, kommt es, oft unbemerkt, sehr schnell zu Einschränkungen des Sehens (Tunnelblick, fehlende Entfernungseinschätzung), des Gehör- und Gleichgewichtsorgans (Schwindel). Aber auch zu Selbstüberschätzung, verzögerter Reaktionskraft und Risikobereitschaft.“ Das Unfallrisiko steigt damit enorm. Der Fahrer wird eine unberechenbare Gefahr für sich, seine Mitfahrer und andere Verkehrsteilnehmer.

Fast 400.000 Verletzte und Tote bei Verkehrsunfällen im Jahr 2018

Fakt ist: Im Jahr 2018 gab es in Deutschland 308.721 Verkehrsunfälle mit Personenschäden. Diese Schäden reichen von einer Platzwunde über gebrochene Arme und Beine, Kopfverletzungen und schwersten inneren Verletzungen bin in zum sofortigen Tod. Insgesamt verzeichnete man in Deutschland bei Verkehrsunfällen im Vorjahr 3.275 Tote und 396.018 Verletzte. Das sind 101 Tote und 5.706 Verletzte mehr als im Jahr 2017. Darunter viele Opfer bei Unfällen unter Alkoholeinfluss.

„Unfälle unter Alkohol sind oft auf verzögerte Reaktionskraft, nachlassende Sehkraft, Selbstüberschätzung und Schwindel zurückzuführen. Typisch ist das Fahren in sog. Schlängellinien, das Abkommen von der Fahrbahn oder die Kollision im Gegenverkehr. Besonders tragisch ist es, wenn unschuldige Personen, wie Mitfahrer oder entgegenkommende Fahrer, verletzt oder getötet werden. Niemals sollte man in ein Auto einsteigen, wenn bekannt ist, dass der Fahrer Alkohol getrunken hat, oder sichtlich angetrunken ist. Der Fahrer sollte dazu bewegt werden nicht mehr zu fahren. Gegebenenfalls mit Unterstützung durch die Polizei“, so Dr. Singöhl, der seit mehreren Jahren auch als Notarzt aktiv ist, weiter.

Wie viel Alkohol im Blut macht die Sinne taub?

0,2 Promille Erste Einbußen in der Wahrnehmung für bewegte Objekte
0,3 Promille Nachlassen von Sehvermögen, Kritik- und Urteilsfähigkeit

0,5 Promille

Fehleinschätzung von Geschwindigkeiten, Abnahme des Hörvermögens. Das Risiko eines tödlichen Unfalls ist doppelt so hoch als im “nüchternen Zustand“.

0,7 Promille

Erste Gleichgewichtsstörungen. Nachlassen der Sehfähigkeit im Dunkeln (Nachtsehfähigkeit).

0,8 Promille Die Sehfähigkeit ist um 25 Prozent herabgesetzt. Gefahr von Tunnelblick.
1,0 Promille Deutliche Selbstüberschätzung, Verringerung der Reaktionsfähigkeit um 50 Prozent.

1,1 Promille

Sprachstörungen und Verwirrtheit.

1,3 Promille Orientierungsschwierigkeiten. Das Risiko eines tödlichen Unfalls ist zwölfmal höher als im “nüchternen Zustand“.
2,6 Promille Gedächtnislücken bis hin zur Bewusstlosigkeit

3,0 Promille und mehr

Schwere Alkoholvergiftung, Gedächtnisverlust, Lähmungen, unkontrollierte Ausscheidungen und Atemstillstand möglich