Erkältungszeit: Was kann ich gegen Husten tun?

Foto: Renée Ries, pixelio.de

Hochsaison für Viren: Es hat ihn erwischt, aber als Experte weiß Eike Hansen, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie im AMEOS Reha Klinikum, was jetzt hilft, wenn der Hals kratzt, die Stimme versagt und die Atemwege verschleimen.

Das trüb-feucht-graue Wetter und meine beiden schulpflichtigen Kinder haben es geschafft. Die erste Erkältung des Jahres hat mich erwischt, denn einen absoluten Schutz vor den garstigen Erkältungsviren gibt es nicht, da kann man noch so vorsichtig sein. Was kann man also tun, wenn der Husten da ist?

Was passiert bei Erkältung in meinen Atemwegen?

Ein anderer Mensch mit einer Atemwegsinfektion hat gehustet. In der Luft hängen feinste Wassertröpfchen, in denen die Erkältungsviren enthalten sind. Ich atme diese Tröpfchen ein, die Viren gelangen in meine Atemwege. Die Viren nisten sich sofort in den Zellen meiner Atemwege ein und missbrauchen die Werkzeuge dieser Zellen, um viele neue Viren zu bauen. Mein Abwehrsystem wird auf die „Einbrecher“ aufmerksam und rückt an, um sie zu vernichten. Dabei werden auch die befallenen Zellen meines Körpers mit zerstört werden müssen. Die Zerstörung merke ich an der vermehrten Schleimproduktion und dem Hustenreiz, mit dem sich der geschädigte Körper vor weiteren Eindringlingen schützen will. Ansonsten merke ich an Fieber, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit, dass in meinem Körper eine Schlacht tobt. Auch wenn die Viren nach einigen Tagen vernichtet sind, können Husten und Verschleimung noch anhalten, bis die Reparaturarbeiten in den Atemwegen beendet sind.

Derzeit ist die Fernsehwerbung voller kurzer Filme über Wundermittel, die binnen Sekunden sogar schwerste „Männergrippe“ beseitigen, so dass der noch vor wenigen Minuten schwerkranke keimschleudernde Mensch sofort zu gesunden scheint, wundervoll schläft und tags darauf energiegeladen zur Arbeit stürmt. Die Wirklichkeit ist mühsamer. Und gut gemeinte Ratschläge gibt es reichlich. Doch was steckt dahinter?

Ratschlag 1: Achten Sie darauf, genug zu trinken

Diesen Rat wird man häufiger hören, aber wie viel ist genug? So viel wie immer: Zwei Liter Flüssigkeit pro Tag sind genug, bei Fieber mehr (38° 2,5 – 3 Liter/Tag; 39°: 3 – 4 Liter/Tag). Sich zwingen, noch mehr zu trinken, lindert die Beschwerden nicht und kann zu Verschiebungen des Salzhaushaltes führen.

Ratschlag 2: Am besten inhalieren

Inhaliergeräte wie Dampfvernebler sind für die Behandlung einer akuten Bronchitis nicht erforderlich, aber die Inhalation von warmem Wasserdampf aus einer Wanne mit einem Handtuch (43° Celsius für 20 Minuten) schafft Linderung und unterdrückt den Hustenreiz. Das kann vor dem Schlafengehen sehr angenehm sein. Zusätzliche Salze oder Kamillenblätter in Wasser zu geben, ist aber nicht erforderlich, die warme feuchte Luft ist der wirksame Bestandteil.

Ratschlag 3: Wenn es Dir sowieso schlecht geht, lass doch das Rauchen sein

Die Reinigung der Atemwege findet statt, indem der „Müll“ über kleine Flimmerhärchen aus den Atemwegen abtransportiert wird. Schon eine Zigarette reicht aus, um die Flimmerhärchen für die nächsten 24 Stunden lahm zu legen. Daher ärgert man sich wesentlich länger mit Husten und Verschleimung rum, wenn man raucht. Also besser darauf verzichten.

Ratschlag 4: Am besten legst Du Dich ins Bett, bis es Dir besser geht

Wenn es einem so richtig dreckig geht und man eigentlich nur schlafen möchte, dann sollte man sich gut im Bett einkuscheln und versuchen, sich zu erholen. Wenn dann wieder etwas Kraft da ist, dann sollte man sich bei einem Spaziergang weiter erholen. Ärztlich verordnete Bettruhe gibt es nicht mehr, aber der eigene Körper kann einem da durchaus mal eine Auszeit verordnen und dann sollte man auf ihn hören.

Ratschlag 5: Trink Hühnersuppe und Tee

Wenn der Hals wehtut, die Nase dicht ist und alles doof und meine Frau macht mir eine Hühnersuppe, dann tut mir das unheimlich gut: Die Suppe scheint den schmerzenden Hals zu beruhigen, den Schleim aus dem Rachen zu waschen und mir Kraft zu geben. Die Wissenschaft ist sich noch unsicher, ob das eine hühnersuppenspezifische Wirkung ist oder jede Suppe in Kombination mit liebevoller Zuwendung ähnliche Effekte zeigt. Sollten Sie die Tomatensuppe Ihres/Ihrer Liebsten bevorzugen oder eine andere Lieblingsspeise haben, dann gilt die alte Weisheit: Wer heilt hat recht.

Ratschlag 6: Hilfe aus der Apotheke

Es gibt sehr viele verschiedene Substanzen, die bei Erkältungskrankheiten verwendet werden. Manche lindern Erkältungsbeschwerden, manche verkürzen die Erkrankungsdauer um 1-2 Tage, manche sind kaum wirksam oder haben eher ausgeprägtere Nebenwirkungen und sollten nicht verwendet werden, zu manchen können wir keine Empfehlungen abgeben, weil die Wirksamkeit nicht gut genug untersucht wurde.

  • Pflanzliche Hustensäfte
    In Reformhäusern, Supermärkten und Apotheken gibt es eine riesige Auswahl pflanzlicher Hustensäfte, die aus verschiedensten Pflanzen hergestellt werden. Daten über eine Linderung von Hustenbeschwerden gibt es für Hustensäfte aus Thymian und Efeu oder Thymian und Primelwurzel. Diese Hustensäfte können also sinnvoll sein, man sollte sich beim Kauf eines pflanzlichen Hustensaftes informieren, welche Pflanzen verwendet wurden.
  • Abschwellendes Nasenspray
    Ist die Nase verstopft und man kann kaum einschlafen, kann der kurzfristige Einsatz eines abschwellenden Nasensprays (z.B. Xylometazolin) wohltuend sein. Dieses sollte aber nicht länger als sieben Tage verwendet werden, um der Gefahr der Gewöhnung vorzubeugen. Meersalz – Nasenspray oder isotones Nasenspray werden nicht empfohlen, da keine ausreichenden Studiendaten vorliegen.
  • Schmerzmittel
    Bei quälenden Kopf- oder Gliederschmerzen kann z.B. das in der Regel gut verträgliche und wirksame Paracetamol verwendet werden.
  • Myrtol
    Kapseln mit Myrtol, einer Mischung aus Eukalyptus-, Süßorangen-, Zitronen- und Myrtenöl, können bei der Linderung von Husten bei Erkältungskrankheiten helfen.
  • Hustenbonbons
    Zum Beispiel salbeihaltige Hustenbonbons können störenden Hustenreiz unterdrücken.
  • Hustenstiller
    Hustenstiller sind dem Morphium ähnliche Substanzen, die den Hustenreflex im Gehirn unterdrücken. Sie sind nicht so stark betäubend wie Morphium. Bei Erkältungshusten unterdrücken sie den Hustenreiz nicht besser als Placebo, können aber die Schlafqualität bessern. Sie wären also nur bei deutlicher Einschränkung der Schlafqualität zu erwägen.
  • Schleimlöser
    Sie sollen den Schleim der Atemwege verflüssigen, damit er besser abgehustet werden kann. Da Lungengesunde bei einer Erkältung in der Regel den Schleim gut abhusten können, ist ihre Verwendung oft unnötig.
  • Vitamin C
    Es hat keine positiven Effekte auf den Verlauf einer Erkältungskrankheit.
  • Antibiotikum
    Antibiotika sind gegen Virusinfektionen wirkungslos. Da Erkältungskrankheiten in der Regel Virusinfektionen sind, sollen sowohl lokal wirksame Antibiotika (z.B. als Pastillen) als auch Antibiotikatabletten nicht verwendet werden. Bei schweren Lungenkrankheiten kann allerdings ein Antibiotikum sinnvoll sein, weil hier bakterielle Entzündungen häufiger vorkommen.
  • Echinazin
    Präparate aus dem Sonnenhut (Echinacea) helfen möglicherweise ein wenig bei der Abheilung von Erkältungen. Die Einschätzung ist aber schwierig, da hier verschiedene Echinaceaarten zusammengefasst als ein Behandlungsmittel genannt werden und zunächst geklärt werden müsste, ob alle gleich wirksam sind.
  • Zink
    Frühzeitige Einnahme von sehr hohen Zinkdosierungen (75 mg in den ersten 24 Stunden einer Erkältung) als Lutschtablette können die Dauer einer Erkältung verkürzen. Die üblichen Dosierungen von Zinktabletten (5-10 mg) sind wirkungslos. Bei der wirksamen Dosis treten allerdings Nebenwirkungen (Übelkeit, Geschmacksstörungen) auf.

Zusammenfassend also gilt: Es gibt einige möglicherweise sinnvolle Medikamente bei einer Erkältung, das Geld ist aber vielleicht auch in eine gute Suppe sinnvoll investiert.

Wann muss ich zum Arzt

Nicht jeder Husten ist durch eine Erkältung verursacht, so dass bei einigen Warnzeichen ein Arztbesuch sinnvoll ist. Diese Warnzeichen wären:

  • Luftnot: Bei einer Erkältung fühlt man sich schlapp, erschöpft, das Gefühl, nicht genug Luft zu kriegen, hat man eher nicht. Besuchen Sie einen Arzt bei Luftnot, die Sie so bisher nicht kannten, auch nicht von früheren Erkältungen.
  • Fehlende Abheilung: Husten kann nach einer Erkältung durchaus sechs bis acht Wochen anhalten, ohne dass man deswegen weitere Untersuchungen machen muss. Verschwindet er allerdings auch nach acht Wochen nicht: Abklärung durch Röntgenuntersuchung und weitere Untersuchungen.
  • Bluthusten: Leichte Blutbeimengungen (kleine Schlieren) können bei einer Erkältung mal im Auswurf sichtbar sein, bei anhaltendem Auswurf mit Blutbeimengung oder größeren Mengen bitte zum Arzt.
  • Starkes Krankheitsgefüh:. Wenn man das Gefühl hat: So krank war ich noch nie, dann sollte man beim Arzt Hilfe suchen.
  • Beschwerden, die nicht zu einer Erkältung passen: zum Beispiel starke einseitige Brustschmerzen, Schluckbeschwerden, einseitig verdicktes oder schmerzhaftes Bein.
  • Kontakt zu Menschen mit Keuchhusten oder offener Tuberkulose vor Auftreten des Hustens.
  • Schwere Herz- oder Lungenvorerkrankungen (wie Asthma, Raucherlunge o.ä.)

Ein Trost soll Ihnen sein, dass auch die schwerste Männergrippe irgendwann vorbeigeht. Mehr über eine gesunde Lebensführung, die trotz chronischer Lungenerkrakungen viel Lebensqualität zurückbringt, können Sie bei uns AMEOS Reha Klinikum Ratzeburg lernen. Ein engagiertes Team aus Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen, Ernährungsberatern, Gesundheitspflegern und Ärzten betreut Rehabilitanden ganzheitlich und individuell und unterstützt sie. Telefonische Beratung gibt unsere Team vom Belegeungsmanagement: 04541 13 3800.

 

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