S wie Sozial - Wir alle können von Kindern lernen

Erika Sigl leitet seit mehr als 23 Jahren die hausinterne Kindertagesstätte in den psychosomatischen AMEOS Klinika am Standort Simbach am Inn – sie ist eine Mitarbeiterin der ersten Stunde. Mit einem Team aus 11 Vollzeit- und Teilzeitkräften betreut sie drei altersspezifisch zusammengesetzte Gruppen von Patienten- und Begleitkindern bis zum Alter von 16 Jahre. Des Weiteren gestaltet sie das Freizeitprogramm für junge und erwachsene Patienten im Reha Klinikum und den beiden Akutstationen für die Eltern/Kind-Behandlung und für Patienten mit Migrationshintergrund. Ihren sozialen Beruf hat sie aus Überzeugung gewählt, denn ein soziales Miteinander ist ihr eine Herzensangelegenheit. Das gilt für ihre jungen Schützlinge genau so, wie für die Erwachsenen, seien es die Eltern der Patienten- oder Begleitkinder, ihr Team oder die Kollegen aus anderen Fachbereichen.

Was einem an Erika Sigl als erstes auffällt, ist ihre offene und natürliche Art, mit der sie etwas hinterfragt, erklärt oder auf den Punkt bringt, sei es bei Erwachsenen oder Kindern. Es ist ein wesentlicher Aspekt ihres sozialen Verständnisses. „Sozial bedeutet für mich, dass jeder offen sein darf, d.h. seine Meinung, Vorschläge und Ideen in einer Gemeinschaft einbringen kann und für seinen Bereich Verantwortung übernimmt“, erklärt sie. Die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen lernen das im 14-tägigen Jugendparlament. „Hier können und sollen sie ihre Anliegen und Erfahrungen einbringen, gemeinsam nach Lösungen und Strategien suchen, die dann auch umgesetzt werden.“ Diese Partizipation ist ein wichtiger Bestandteil des situationsorientierten Ansatzes, nachdem die KiTa arbeitet. Situationsorientiert bedeutet, das Kind da abzuholen, wo es in seiner persönlichen Entwicklung steht. Die Eltern machen diese Erfahrung in der wöchentlichen Elternrunde, die Erika Sigl leitet. Hier werden Probleme besprochen, sowie Organisatorisches und Beobachtungen ausgetauscht. Schwierigkeiten ergeben sich hierbei z.B. durch unterschiedliche Erziehungsvorstellungen. Teilweise sind die Familien (Eltern und Kinder) den strukturierten Tagesablauf mit klaren Regeln vom Elternhaus nicht gewohnt. „In diesem Fall helfen nur Gespräche, Vertrauen aufbauen und das Vermitteln, wie wichtig Rituale und Regeln für Kinder sind. Wenn ich eine klare Struktur und Kommunikation vorgebe, dann erlebt das Kind, dass es sich auf Erwachsene verlassen kann, fühlt sich sicher und damit auch wohl - das ist mein Ziel. Erst dann kann ich mit den Kindern auch an ihrer Entwicklung arbeiten.“

Offenheit und Bereitschaft Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen, wünscht sie sich auch von ihrem Team und von Kollegen. „Ich will mich nicht verbiegen und Andere sollen das auch nicht. Jeder soll sich selbst sein können, die Andersartigkeit Anderer respektvoll akzeptieren, verantwortlich Handeln und Rücksicht nehmen“, bringt sie es auf den Punkt. Der Umgang auf Augenhöhe führt zu einer guten Atmosphäre im Team und ihre Mitarbeitenden sind deshalb auch gerne beim KiTa-Jahresausflug oder den gelegentlichen Wochenendaktivitäten dabei. Sich sozial zu verhalten, ist für sie – auch losgelöst vom eigenen beruflichen Umfeld – unverzichtbar. „Unsere Welt wird immer bunter und die Arbeitswelt immer weiter. Wir alle können von Kindern lernen. Sie sehen die Menschen offener und vorurteilsfreier und das ist unsere Zukunft.“

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