Naturschutz als Berufsförderung für Forensik-Patienten

Für die Anfahrt zu ihrem Arbeitsort steigen drei Männer auf dem letzten Kilometer in ein kleines Fischerboot am Hafen von Rieth. Vor ihnen liegt die flache Insel Riether Werder. Nur einige Meter östlich der Insel verläuft die deutsch-polnische Grenze durch das Stettiner Haff.

Ausbilder Raul Schade und zwei Patienten des AMEOS Klinikums für Forensische Psychiatrie schließen hier einen künstlich geschaffenen Zufluss mit Sand und Holz. Das soll verhindern, dass bei  Hochwasser die Insel überflutet wird. Die Männer setzen nur ihre Muskelkraft ein. Denn die rund 80 Hektar große Insel ist ein geschütztes Brut- und Rastgebiet für Wasser­vögel. Im Juli herrscht hier Hochbetrieb. Zehntausende Jungvögel einer Lachmöwenkolonie bereiten sich auf den ersten Abflug ihres Lebens vor.

Mit den Patienten in der beruflichen Förderung mäht Raul Schade auch Orchideenwiesen oder artenreiche Moorflächen im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Für diese praktischen Einsätze mit wenig Technik kooperiert die Forensik Ueckermünde schon viele Jahre erfolgreich mit dem <em>Förderverein</em> für Naturschutzarbeit in der Uecker-Randow-Region. Für solch spezielle  Landschaftspflegemaßnahmen findet sich kaum ein Unternehmen in der Region. Zugleich bieten diese besonderen Einsätze die Möglichkeit, annähernd realen Arbeitsalltag zu trainieren.

Dennoch sind solche Naturschutzaufgaben ein verhältnismäßig kleines Gebiet der beruflichen Förderung und Orientierung im Rahmen des Garten- und Landschaftsbaus. Auf dem Gelände des AMEOS Klinikums betreibt Raul Schade mit den forensischen Patienten auch eine kleine Gärtnerei mit Gemüse und Gehölzpflanzen.

„Mein Job ist es“, beschreibt der Ausbilder“, „herauszukriegen, für welche Aufgaben eignet sich jemand. Was kann man dem Patienten beibringen, welche Tätigkeiten kann er lernen“. Viele der Patienten im Maßregelvollzug haben erhebliche Bildungsdefizite oder keine Berufsabschlüsse. Diese können sie, wenn sie dafür entsprechende Voraussetzungen mitbringen teilweise im Rahmen der beruflichen Förderung nachholen.

Außerdem trainiert Raul Schade mit seinen Schützlingen Bewerbungen. Ständig prüft er, wie stabil die Patienten für einen durchschnittlichen Arbeitstag sind. Bei einigen Patienten kommen zu der psychischen Erkrankung andere Einschränkungen oder eine Minderbegabung hinzu. Das Ziel für ihn bleibt trotzdem: den Übergang zu bewältigen und nach dem Maßregelvollzug eine Arbeit auf dem zweiten, wenn nicht sogar auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. „Da müssen wir trainieren, solange, bis es funktioniert“. Dass es funktionieren kann, hat der Mittfünfziger inzwischen schon einige Mal erlebt.

<em>Autor: Anja Baum</em>

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