12.10.2017

Trauer hat keine Deadline: Saskia Jungnikl liest aus ihrem Buch "Papa hat sich erschossen".

Anlässlich der Woche der Seelischen Gesundheit liest die Autorin Saskia Jungnikl auf Einladung der AMEOS Klinika Bremerhaven und Geestland in der Stadtbibliothek Bremerhavens aus ihrem Buch „Papa hat sich erschossen“.

Jungnikls Vater hatte sich 2008 das Leben genommen. Wie sich das Leben nach dem Suizid eines geliebten Menschen verändert, erzählt Jungnikl in ihrem Buch. Das Buch ist dabei ein Einblick in das Innerste eines Menschen, in das Innerste der Autorin. In diesem Falle zeigt es das Leben nach einem Selbstmord in all seinen Facetten. Jungnikl selbst bezeichnet den Freitod des Vaters als Einschnitt ins Leben. Es gibt ein vor und ein danach. So hört das Publikum von Gesprächen, von Tränen aber auch von gemeinsamen Runden mit Familie und Freunden, in denen irgendwann wieder gelacht werden konnte. 

Jungnikl, die von Haus aus Journalistin ist, schafft es, mit ihren Worten Authentizität zu erzeugen. Die Besucher der Lesung haben das Gefühl, dass hier jemand einfach aus seinem Leben erzählt. Ehrlich und direkt schildert die junge Frau ihre eigene Ohnmacht, ihre Wut und ihre Verzweiflung. Die Besucher hören gespannt zu, jeder scheint sich bestätigt zu fühlen bei den vorgetragenen Passagen - beschreiben die Worte doch so genau, was ein Mensch fühlt, der zurück bleibt.

Saskia Jungnikl erklärt auch, warum sie lieber über den Tod des Vaters reden möchte, warum die Kommunikation über dieses Tabuthema genau der richtige Weg zum Verarbeiten ist. Das Publikum fühlt sich aufgehoben. Aufmunternde Blicke treffen auf betroffene. Die Stille nach Lesungsende ist schnell verflogen, als Jungnikl Fragen beantwortet. Das Gespräch zwischen Leser und Autor erinnert eher an einen Dialog zwischen Bekannten. Die 36-jährige erklärt unverblümt, dass die Wut auf den Vater, der ohne wirklichen Abschiedsbrief aus dem Leben schied, irgendwann verflog. Die anfängliche Scheu, die das Thema Suizid mit sich bringt, ist spätestens dann verschwunden, als Jungnikl ihr Buch für das Publikum signiert.

Auch Jan-Henning Stoffers, stellvertretender Krankenhausdirektor der AMEOS Klinika Bremerhaven und Geestland, ist begeistert von dem Mut der jungen Autorin: „Das Thema Suizid und den Umgang mit Trauer ist immer noch ein Tabuthema in der Gesellschaft. Die Autorin hat es wunderbar geschafft, dieses Tabu zu brechen.“ Tabus brechen möchte die Autorin auch weiterhin. So verkündet sie zwar das letzte Mal aus dem aktuellen Buch gelesen zu haben, aber auch bald wieder auf Lesereise zu gehen. Dieses Mal mit einem neuen Buch.