02.11.2018  | AMEOS Klinikum Kaiserstuhl

Schlaglichter der stationären Suchthilfe

Um eine möglichst nahtlose Patientenvermittlung zwischen ambulanten, stationären und rehabilitativen Behandlungsformen, neue Wege in der Ergotherapie und niederschwellige digitale Patienteninformation, ging es auf dem Kooperationstreffen unterschiedlicher Behandlungspartner im Landhaus Trautwein in Vogtsburg. Auf der Veranstaltung sprachen drei Referenten zu aktuellen Themen aus dem AMEOS Klinikum Kaiserstuhl und regten damit zum fachlichen Diskurs zwischen den Teilnehmern an. Wir haben für Sie die wichtigsten Inhalte aus den Referaten zusammenzufassen:

Nahtlosverfahren Referenten: Eva Bauscher und Antonia Lampart, Suchttherapeutinnen, AGJ Müllheim/Lahr

Das Nahtlosverfahren basiert auf der Handlungsempfehlung der Deutschen Rentenversicherung, der Gesetzlichen Krankenversicherung und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zur Verbesserung des Zugangs von Suchterkrankten nach dem qualifizierten Entzug in die medizinische Rehabilitation. Ziel ist es, bei entsprechender Indikation eine Reduzierung der Nichtantrittsquoten und die Vermeidung von zahlreichen Entgiftungen und Entwöhnungsbehandlungen zu realisieren. Die Suchttherapeutinnen der AGJ, die seit Juni im AMEOS Klinikum Kaiserstuhl tätig sind, stellten die Grundlagen und ihre Erfahrungen aus der Umsetzung des Nahtlosverfahrens vor. Das Verfahren bedarf einer motivierenden Vorarbeit in den Therapiegesprächen. Hier brauchen Patienten oft einige „Anläufe“, um sich auf eine nahtlose Folgebehandlung in eine Rehaklinik einlassen zu können. Diese notwendige Motivationsarbeit leistet das medizinisch-therapeutischpflegerische Team im AMEOS Klinikum Kaiserstuhl.

Neurofunktionelle Ergotherapie in der Suchtbehandlung Referent: Patrik Mülhaupt-Zoller, Inhaber Ergotherapiepraxis in Merdingen

Patrik Mülhaupt ist seit Oktober im AMEOS Klinikum Kaiserstuhl tätig. Der Ergotherapeut und Coach hat für die Arbeit im Suchtbereich ein modular strukturiertes ergotherapeutische Konzept entwickelt. Dieses hat zum Ziel, die persönliche Veränderungskompetenz zur Abstinenz der Patienten zu verbessern. Das Vorgehen kombiniert Wissensgewinne der Neurologie mit dem Ansatz des Aktionlearnings. Der Teilnehmer erlangt grundlegendes Wissen, wie sich Verhaltensmuster neurologisch manifestieren bzw. verändern lassen. Hierauf aufbauend erlernt er mittels Verbalisierung, Reflexion und gestalterisch-kreativer Techniken, sein Verhalten für eine bessere Gesundheit zu verändern.

Informative Onlineplattform für Patienten und Experten: www.kompetenznetz-suchthilfe.de Referent: Carsten Spira, Regionalleiter Kommunikation AMEOS Süd

Deutschlandweit gibt es derzeit etwa 1,8 Millionen Menschen, die an einer Alkoholabhängig leiden. Die Menge der Risikokonsumenten wird jedoch weitaus höher geschätzt. Um Hilfesuchende niederschwellig über die Bandbreite der aktuellen Behandlungsformen und Risiken rund um den Alkoholkonsum und die Sucht zu informieren, pflegt das AMEOS Klinikum Kaiserstuhl gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern, eine redaktionelle Webseite. Die Seite bietet sowohl einzelnen Suchthilfe-Einrichtungen, als auch betroffenen suchtmedizinischen Patienten die Möglichkeit, in redaktionellen Textbeiträgen die eigene Einrichtung und deren Arbeit zu präsentieren, sowie auch in Selbsterfahrungsberichten den eigenen Weg aus der Abhängigkeit zu schildern. Ziel hierbei ist, zu einer Entstigmatisierung von Suchterkrankungen beizutragen, über suchtmedizinische Themen aufzuklären und Formen der verschiedenen ambulanten und stationären Behandlungshilfen übersichtlich darzustellen. Den Lesern kann hierbei geholfen werden, die Schwellenangst zu professionellen Hilfsangeboten zu senken um damit den individuell jeweils optimalen Zugang zum nächstliegenden professionellen Hilfsangebot für Betroffene und deren Angehörige aufzuzeigen. Einrichtungen der Suchthilfe sind hierbei trägerübergreifend weiterhin herzlich eingeladen, sich zu beteiligen, um ihre Arbeit durch eigene Beiträge darzustellen. Die dort gesammelten einzelnen Beiträge unterliegen dabei der abschließenden Freigabe durch die sich präsentierenden Institutionen bzw. den Beitragspartner. Diese Webseite erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, alle professionellen Helfer bestehender Suchthilfenetzwerke abzubilden.